STOMATOGNATHES SYSTEM
Veränderungen im System Zähne, Kiefer, Mund und Kiefergelenk (stomatognathes System) können sich auf die Stellung des orthopädischen Systems (Beine, Becken, Wirbelsäule) auswirken; umgekehrt kann beispielsweise eine verschobene Halswirbelsäule oder ein fehl stehendes Becken die Stellung von Ober- und Unterkiefer beeinflussen.
Das falsche Zusammenspiel dieser beiden Einzel-System-Komponenten kann das Gesamt-System "Mensch" so stark stören dass chronische Schmerzen aufgrund eines falschen Bisses mit gleichzeitiger Fehlhaltung im körperlichen Bereich auftreten.
Das Resultat: Muskuläre Hyperaktivität mit starken Verkrampfungen führt zu (äußerst) schmerzhaften Zuständen, die allen Behandlungsmaßnahmen -sowohl pharmakologischer wie auch manueller Art- trotzen und Schmerzpatienten fast zum Wahnsinn treiben. Betroffene bringen eine wahre (und oft teure) Therapeuten-Odyssee hinter sich auf der Suche nach Hilfe und etwas Linderung.
In einer ganzheitlichen Therapie wird diese gegenseitige Beeinflussung
Auswirkungen eines Beckenschiefstandes
Starke Blockaden im Atlasbereich können aber auch Verän- derungen der Position der Beckenschaufeln nach
sich ziehen. Auch dann erscheint ein Bein länger.
- Ist das rechte Bein kurz (egal, ob angeboren, durch einen Unfall erworben oder aufgrund muskulärer Veränderungen) zeigt sich dies durch einen Beckenschiefstand, d.h., eine (typischerweise die linke) Beckenschaufel ist nach vorne gekippt, parallel dazu ist die rechte Beckenschaufel nach hinten gewandert. In der Folge kippt das Kreuzbein nach rechts.
- Die Wirbelsäule muss, da sie über den Lendenwirbel 5 eine enge Verbindung mit dem Kreuzbein besitzt, diese Kippung zur linken Seite mitmachen und dreht dabei etwas nach hinten links hinaus.
- Im weiteren Verlauf der Wirbelsäule erfolgen gegenläufige Verwindungen, und es zeigt sich eine mehr oder weniger stark ausgeprägte S-förmige Verdrehung der Wirbel, die man als Skoliose bezeichnet.
- Da sich die Position der waagerechten Schulterachse dabei verlagert, zeigen sich ein Schultertiefstand rechts, eine Kippung des Kopfes nach links, eine Verdrehung des zweiten Halswirbels (C2= Axis) nach rechts hinten mit einhergehender Verschiebung zur linken Seite und ein Verrutschen des ersten Halswirbels (C1= Atlas) zur linken Seite mit einer typischerweise damit verbundenen Kippung fußwärts (in Wirklichkeit sind noch wesentlich mehr Einflüsse auf die Statik vorhanden).
- Der Körper gleicht also den Schiefstand durch Verdrehungen, die ihre Auswirkungen bis in die Kopfgelenke haben, aus, um den Schwerpunkt in der Körpermitte halten zu können.
Die Aufrechterhaltung der Körperstatik vermag unser Körper nur mit Muskelkraft zu bewerkstelligen, aber die (Über)Anstrengung der Muskulatur dient keiner Bewegung, sondern wird nur eingesetzt, um eine orthopädische Fehlstände auszugleichen - über eine sehr lange Zeit am Tag, was zu dauerhaften muskulären Verkrampfungen führt. Doch warum hat oben beschriebene Zustand einen Einfluss auf den Biss und auf das stomatognathe System?
Die Muskulatur, welche den Unterkiefer bewegt, ist unter anderem am Zungenbein aufgehängt, wodurch der Unterkiefer in seiner Position beeinflusst wird. Aber auch die Muskulatur der gesamten Halswirbelsäule hat auf die Kieferstellung großen Einfluss, ist sie doch am Öffnen und Schließen des Kiefers fast vollständig beteiligt. Veränderungen der Lage einzelner Wirbel ziehen Veränderungen im Tonus der Muskulatur nach sich, wodurch ein korrekter Zahnkontakt gestört werden kann.
Dies zeigt ein einfacher Versuch: Leichte Seitneigung des Kopfes lässt die Zähne auf der Seitneigungsseite schneller Kontakt zueinander aufnehmen als auf der Gegenseite. Ebenso wird sich der Zahnkontakt beim Beugen des Kopfes nach vorne oder nach hinten verändern.
Harte Hirnhaut und Rückenmark
Die anatomische Zeichnung von Gray zeigt die aufgeschnittene dura mater und die von ihr geschützten Nerven.
Jetzt wird klar, warum bei Fehlständen von Beinen, Becken, Wirbelsäulenabschnitten oder einzelnen Wirbelblockaden sich Veränderungen im Biss / Zahnkontakt zeigen. Die Veränderung der Position zieht Verspannungen bis in die Halsmuskulatur nach sich und die Verspannungen verhindern gleichzeitigen Zahnkontakt. Doch leider kann die Negativbeeinflussung auch umgekehrt wirken: Ein schlechter Biss / Zahnkontakt kann die Statik von Wirbelsäule und Becken verändern.
Die harte Hirnhaut (dura mater) erstreckt sich vom Gehirn bis in den untersten Teil des Wirbelkanals bis ungefähr zum 2.-3. Kreuzbeinwirbel. Sie bildet eine Schutzkapsel für das Gehirn (dura mater encephali) und setzt sich aus einem äußeren und inneren Blatt, die durch das Cavum epidurale (=Hohlraum) getrennt sind. Die Dura mater schützt somit empfindliche nervale Strukturen vor schädigenden Einflüssen.
Sie hat ihren Namen aufgrund ihrer harten Eigenschaft erhalten. Diese Festigkeit der Dura mater führt dazu, dass Veränderungen im orthopädischen System im unteren Bereich sich nach oben fortsetzen und in oberen Körperregionen zu Beschwerden führen können. Natürlich trifft auch der umgekehrte Fall zu.....
Im Laufe der Jahre konnte ich feststellen, dass bei einigen Patienten die Korrekturen -vor allem im Halswirbelsäulenbereich- einfach nicht richtig gehalten haben. Als Ursache hierfür konnte eine Störung im stomatognathen System identifiziert werden.
Veränderungen der Zahnstellung bzw. von Ober- und Unterkiefer zueinander können viele Ursachen haben (Auswahl):
Kiefergelenk
Das Kiefergelenk liegt neben der Öffnug für den Gehörgang, wie auf dem Bild sehr schön zu sehen ist.
Bei Veränderungen des Bisses kann der Knorpel im Kiefergelenk Schaden nehmen und zu massiven Schmerzen führen
- Verlust eines oder auch mehrerer Zähne
- Zahnersatz, der von der Höhe her nicht exakt eingepasst wurde und so einseitig zu einem verfrühten Zahnkontakt führt
- Fehlstellungen im orthopädischen System der Gelenke, der Beine, des Beckens, der Brustwirbelsäule und Halswirbelsäule (incl. Atlasblockade)
- statische Veränderungen aufgrund von Traumata
- Fehlstellungen im Kiefergelenk
- Schädigungen und strukturelle Veränderungen im Kiefergelenk
- Kieferorthopädische Regulierungen
- Verschleiß der Zähne mit der Folge eines verfrühten Zahnkontaktes ein- oder beidseitig
- Zahnfüllungen
- Zahnersatz wie Brücken, Inlay´s, Kronen
- Veränderungen der Knochensubstanz in Kieferbereich
- Lockerung der Zähne
- Abmahlen der Zähne durch nächtliches Knirschen
- Veränderungen des Bisses durch Knirscherschienen
- und weitere mehr
- Diagnose des Fehlbisses und Verdacht orthopädischer Fehlstellungen
Bissausgleich
Nach erfolgter Korrektur von Becken und gesamter Wribelsäule und der Testung des Gesamtsystems wurden Distanzplättchen eingelegt, um den Kiefer in die richtige Stellung zu bringen. Die unterschiedlichen Farben zeigen an, dass rechts und links verschiedene Höhen benötigt werden, um die Kieferlage harmonisch und stressfrei auszurichten, um im Anschluss an die Korrektur die optimale Anpassung der Schiene in der zahnärtlichen Praxis zu ermöglichen.
Vielen Dank an meine Freundin Sabine für die Erlaubnis, dieses Bild in meine Website zu aufzunehmen! - Patient geht zur manuellen Behandlung dieser orthopädischen Fehlstellungen
- Patient geht nach Abschluss der Korrektur (entweder am gleichen Tag oder später) von der Physiotherapie, orthopädischen oder Heilpraktiker-Praxis in die Zahnarztpraxis zur Bissnahme
- mittels Testverfahren wird hier der optimale Biss abgenommen - in dem Zustand, in dem sich das System (eigentlich ihr stomatognathes und orthopädisches System!) von Patient oder Patientin im Augenblick befinden
- nach dem optimal getesteten Biss wird eine Schiene gefertigt, die vor allem während der Nacht getragen wird. Da die Schiene aus durchsichtigem Kunststoff gefertigt ist, ist eine Verwendung auch während des Tages möglich und für eine schnellere Harmonisierung des stomatognathen und orthopädischen Systems unbedingt empfehlenswert.
Falls eine dauerhafte Lösung angestrebt wird, erfolgt eine Anpassung des Zahnkontaktes durch Aufbau der nötigen Zähne. Diese Lösung ist natürlich sehr teuer und kann für Betroffene in Abhängigkeit der notwendigen Maßnahmen eine hohe Leidensfähigkeit erfordern, um den Biss wirklich richtig zu korrigieren.
Vom Ansatz her klingt das alles ganz gut. Doch wo können die Schwierigkeiten liegen?
Die Crux liegt in der schnellen Veränderlichkeit der menschlichen Statik, was nichts anderes bedeutet, dass Minuten nach einer orthopädisch ausgeführten Korrektur der Körper in die alte Fehlhaltung zurückfallen kann. Ich schreibe bewusst kann und nicht muss! Die Tücken das Alltags lauern überall und so passiert es, dass Betroffene trotz größter Vorsicht und Beachtung aller Verhaltensempfehlungen schnell wieder aus dem Lot sind:
- Einmal Beine übereinader schlagen reicht, um den Beckenschiefstand und die Schrägstellung der Wirbelsäule wieder auszulösen
- Selbst sich normal zu bewegen kann ausreichen, dass der Halteapparat wieder in die alte Position zurückfällt
- Gleiches kann beim Einsteigen ins Auto passieren
- Eine Nacht reicht, um eine tags zuvor gelöste Verspannung in einem der Wirbelsäulenabschnitte wieder aufzubauen
- Einmal kräftig Zubeißen reicht, um den Sitz der Halswirbel wieder zu verändern, wenn ein Fehlbiss vorhanden ist
- Eine komische Bewegung mit dem Kopf reicht aus, um die Stellung der Halswirbel zueinander zu verändern
- Das Tragen eines schweren Gegenstandes alleine kann schon zur Aufhebung der Korrektur führen usw.
Die Erfahrung zeigt, dass in der Regel oben beschriebenes Vorgehen der sofortigen Bissnahme nach erfolgter orthopädischer Korrektur bei etwa 95% der PatientInnen ausreicht, um zu guten Ergebnissen zu kommen.
Betroffene berichten nach wenigen Nächten oft über eine positive Veränderung bezüglich muskulärer Verspannungen der Halswirbelsäule und über angenehmeres Erwachen. Des öfteren höre ich von Frauen, "dass ich gleich gemerkt habe, dass es passt".

Kiefergelenk
Anatomische Zeichnung des Kiefergelenks von Gray. Die Bandscheibe (Articular Disc) kann bei
Fehlstellungen des Kiefergelenks sehr leicht Schaden nehmen und zu Beschwerden führen.
Es gibt auch Menschen, welche den Eingriff in ihr fehlreguliertes System über längere Zeit spüren. Hier bedarf es einiger weiterer Korrekturen, bis der Ausgleich erfolgt. Bei einigen Betroffenen stellt sich nach einiger Zeit der Biss so um, dass die Höhe der Schiene etwas gesenkt werden kann. Nach Herstellung des Ausgleichs stehen Patienten alle Wege zu einem dauerhaft richtigem Zahnersatz offen.
Bei Verdacht auf Veränderungen im stomatognathen System sollte dieses immer auf Irritationen und Störungen überprüft werden. Ein Fehlbiss beeinflusst die Statik und eine Fehlstatik beeinflusst den Biss. Wie oben - so unten. Dies trifft auch auf den Menschen zu.
In der Zwischenzeit konnte ich feststellen, das "schwierige Therapie-Fälle", bei denen ich fast am Verzweifeln war, nach erfolgter optimaler Bisskorrektur plötzlich einen weit besseren Heilungsverlauf zeigten. Dies macht Mut, diesen außergewöhnlichen Aspekt weiter zu verfolgen.
Ich kann Auswirkungen von Kiefergelenksproblematiken und das Korrekturinstrument Aufbiss - Schiene nur aus dem Blickwinkel orthopädischer Fehlstellungen beleuchten. Die Fertigung und Anpassung einer Schiene ist eine Wissenschaft für sich und ist ein zeitaufwändiger Prozess. Hierüber zu referieren, erdreiste ich mich nicht.
Weitere, ergänzende Informationen und praktische Tipps gebe ich in der Sprechstunde.
Wichtig:
Inwieweit ich Fragen zu Krankheiten, deren Ursachen und Therapieansätze oder zu mir bekannten Therapeuten in Ihrer Wohnortnähe oder anderswo beantworte, lesen Sie bitte unter Große Bitte nach.Ich bedanke mich für ihr Verständnis.
Die Dinge der Welt sind kompliziert, sie werden von allen möglichen Faktoren bestimmt. Man muss die Probleme von allen Seiten betrachten und nicht nur von einer einzigen.
(MAO ZEDONG )

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